B.J. Blazkowicz, Action bis zur Oberkante und ein wenig Retro.

Wenn es schon um fünf Uhr dunkel wird, es aber viel zu warm für den Weihnachtsmarkt ist, dann ist die Zeit für Singleplayer-Action gekommen. Erst recht, wenn die Konsole wegen Fallout dauerbelegt ist. Auf der Suche nach etwas Brauchbarem bin ich im Steam-Store auf Wolfenstein: The Old Blood gestoßen. Ein Standalone, das Prequel zu Wolfenstein: The New Order. Action-Adventure-Shooter? Genau das Richtige für diese Jahreszeit. Also her damit. Besinnlichkeit sucht man hier zwar vergebens, aber Weihnachten ist ohnehin nicht unser Ding.

7157 Packende Story und mitreißende Kämpfe.

Wie die Bezeichnung „Prequel“ schon verrät, finden die Ereignisse vor Wolfenstein: The New Order statt. Der Charakter B.J. Blazkowicz soll in einer zweiteiligen Geschichte (8 Kapitel) Pläne finden, um General Totenkopfs Basis zu identifizieren. Also mache ich mich auf, ein Gefängnis zu infiltrieren. Das geht natürlich gründlich in die Hose, ich sag nur B.J. und Aktzent. B.J. und ich landen im Bau und uns bleibt lediglich noch ein scheinbar einfaches Rohr, um uns zu wehren. Ja, ein Rohr, aber was für eins! Der Clou: Man kann es auseinander schrauben, damit klettern und es wieder zusammen schrauben, um Gesichter damit in rote Soße zu verwandeln. In Action ist das Teil also ziemlich cool und hilfreich. Das ist aber auch nur die erste von einigen neuen Waffen.  Zum Großteil ist das Waffenarsenal zwar aus Wolfenstein: The New Order bekannt, ein paar neue Schießprügel wie der Raketenwerferpistole oder einer abgesägten Schrotflinte gibt es aber oben drauf. Quasi als Sahnehäubchen. Welche Waffe ich benutzt habe, war mir aber eigentlich egal, ich habe mit dem geschossen, für das ich Munition hatte. So habe ich alles mal benutzt, was ich auch euch empfehlen würde.

Blinde Ballerei ist nicht.

RohrDoch trotz der ganzen Ballermänner muss zunächst Vorsicht walten. Die ersten Schritte sind schleichend zu absolvieren, was spannend gestaltet ist. Machienensoldaten müssen anfangs ohne Knarren und nur mit dem besagten Rohr aus dem Weg geräumt werden. Das geht solange leise vonstatten, bis man die ersten Schusswaffen hat. Dann bleibt die Wahl: Alles vernichten und verbrannte Erde hinterlassen oder doch leise mit möglichst wenig Abschüssen den Levelabschnitt beenden. Beides fande ich sehr spielenswert und fair gestaltet. Das Tempo wird von Abschnitt zu Abschnitt schneller. Ich durchstreife Bunker-/Burganlagen, malerische Dörfchen und weitläufige Tunnel. Mann, ist das alles (grafisch) hübsch, wären da nicht diese Naz… hups. Ehm. „Regimesoldaten“. Die abzuknallen macht höllischen Spaß und das Spiel ist auch für eine Flotte Runde vor dem Abendessen geeignet. Was auch gerade an dem Grundton des Standalones liegt. War in The New Order noch die klangfarbe bierernst und durch das erdrückende Schwarz des Regiem geprägt, traut sich The Old Blood wieder zu mehr kreativer Fantasie was die Story anbelangt. So ist es auch nicht so schlimm, wenn ich gerade nicht weiß, warum ich das kleine Dorf dem Erdboden gleich mache.

Teil zwei ist crazy drauf 😉

7158Wärend die im ersten Abschnitt es sehr Technisch zugeht, wird es im zweiten immer verrückter. Das liegt auch an Frau Helga von Schabbs, die einem dunklen Geheimnis nachjagt, welches wir unbendingt auch auflösen wollen. Hier nimmtThe Old Blood Bezug zu den alten Wolfensteinspielen, die auch in diese Richtung gingen. Apropos alt: Immer wieder finden wir Betten, die uns im Traum durch Retro-Abschnitte schicken. Anfangs noch ungewohnt und etwas langatmig freue ich mich später über die Abwechslung. Der Wechsel zwischen Retro und New(old)school lässt beides nicht so schnell abnutzen. Sehr gut sind im zweiten wie im ersten Teil die Bossfights. Ich habe oft das Gefühl, den Gegner kennengelernt zu haben. Entweder habe ich sie im Spiel belauscht, bin vor ihnen geflohen oder habe sie irgendwie provoziert. Wir haben sozusagen eine Rechnung offen und krachen im Showdown dann aufeinander, Und zwar mit allem, was wir haben.

Für knapp 20 Euro ein lohnenswerter Kauf.

Insgesamt zeichnet sich das Prequel durch seinen Humor aus, was auch gut zu dem Setting passt (sollten wir die dummen Naz … ähhhhh „Regimesoldaten“ nicht eher auslachen, anstatt uns vor ihnen zu ducken?). Der Humor  ist es schließlich auch, der das Standalone mindestens genauso gut oder sogar besser als das Hauptspiel für mich macht. Das alles zusammen macht Wolfenstein: The Old Blood für mich zu einem kurzweiligem Begleiter durch die dunkle Jahreszeit. Umfang von knapp 8-12 h ist für 19,99 Euro echt in Ordnung. Auch als Geschenk sicher gut!

Zu der Kritik an der deutschen Version kann ich nur sagen: Mich stört es nicht, dass die Hakenkreuze entfernt wurden, denn ich komme auch gut oder gerade deswegen mit dem Spiel klar. In diesem Sinne Frohes ballern.

(Visited 15 times, 1 visits today)
facebooktwittergoogle_plusredditpinterestlinkedinmail
rssyoutube