Was sich unter dem Karolinenplatz in Darmtstadt befindet, kennen die meisten Leute nur als Parkhaus. Doch hinter den dicken Betonmauern steckt viel mehr.

Eingang zum BunkerIn den 60er Jahren bedrängte der Kalte Krieg das Leben, zwei Atommächte standen mehrere Male kurz davor, auf den roten Knopf zu drücken. Auch in Darmstadt wurde darüber nachgedacht, was im Fall der Fälle zu tun ist, um wenigstens einen Teil der Zivilgesellschaft zu schützen oder vor der Verstrahlung zu retten. Das Szenario, das in Fallout so viele Spieler anzieht, war damals ganz real und greifbar. Mitte der 60er begann die Stadt schließlich mit dem Bau eines Atombunkers unter den Straßen von Darmstadt. Genauer gesagt befindet sich dieser angrenzend an ein Parkhaus unter dem Karolinenplatz und hätte gerade mal für 2000 Menschen Platz geboten. Eine unscheinbare Treppe, versteckt in einem Gebüsch, führt zu der dicken Stahltür, dem Eingang des Bunkers. Dahinter öffnet sich eine andere Welt, die ahnen lässt, wie viel Angst die Menschen vor gerade mal 50 Jahren vor dem Atomkrieg hatten.

Bunkerbegehung als Kunstprojekt.

Liegen„Das Blumen“, ein Verein kunstinteressierter junger Menschen in Darmstadt öffnete 2014 den Bunker im Rahmen eines Projektes. „Ernstfall Bunker“ nannten sie die Aktion und führten an acht Tagen interessierte Menschen durch die unterirdischen Gänge. Bereits bei der Ankunft auf dem Karolinenplatz sieht man einen Teil der Ausstellung. Dreistöckige Stahlbetten sind in einer Reihe aufgestellt. Im Ernstfall wären dies die Schlafstätten der 2000 Menschen im Parkhaus gewesen, denn der abgeschlossene und der Öffentlichkeit normalerweise nicht zugängliche Teil des Bunkers ist Versorgungs- und Hygieneräumen vorbehalten. Doch auch das Parkhaus bietet nicht genug Platz, um all die Menschen gleichzeitig schlafen zu lassen. Geplant war ein „Dreischichtbetrieb“. 1/3 der Menschen schläft, während der Rest steht oder sitzt. Da das Parkhaus während des Projektes in Betrieb war, wurden die Liegen zur Ansicht auf dem Platz aufgebaut.

Andere Welt.

FenstergxrpgtkpbtjDurch die Stahltür – den Vaulteingang – gelangt man in einen kleinen Raum mit kahlen Betonwänden, einem winzigen Fenster, das in die dicke Betonwand eingelassen ist und einer weiteren, grau angestrichenen Stahltür. Wegen des Projektes befinden sich an diesem Tag eine Theke und Kühlschränke für Getränke dahinter. Damals war das hier wohl der Warteraum mit den ersten Duschen, um die ankommenden zu desinfizieren. Laut der Führung wäre man hier sogar schon sicher gewesen, da nukleare Strahlung sich geradlinig ausbreitet und anscheinend nicht um die Ecke kann. Ich habe versucht, mich einzulesen, um diese Aussage zu bestätigen, muss aber eingestehen, kein Wort davon verstanden zu haben. Wenn es jemand besser weiß, kann er sich gerne melden.

KontrollraumWie auch immer, die nächste Stahltür führt dann in den eigentlichen Bunkerbereich. Zu unserer rechten Seite, am Kopf des Flures, befindet sich ein Kontrollraum. Von hier können die Stahltüren bedient und die Funktion der Generatoren überwacht werden. Hinter den ersten beiden Türen links und rechts vom Flur liegen Rettungsräume, in denen sich jeweils Kurbeltelefone befinden. Hier gibt es jeweils ein Waschbecken, eine Dusche und Feldbetten. Die Studenten des Kunstprojektes haben mit Kreide Striche an die Wand gemalt. Es wirkt ein bisschen, wie in den Amerikanischen Knastfilmen. Gleichzeitig schaffen die Zeichnungen eine bedrückende Atmosphäre. Die Räume sind eng, bereits die kleine Führungsgruppe von 15 Menschen drängt sich auf dem Flur. Wie wäre es gewesen, wenn hier 2000 Menschen mehrere Monate hätten ausharren müssen? Gruselig.

Eigene Versorgung. Doch für wie lange?

SpülenNach den Rettungsräumen gelangt man zu den Versorgungsräumen mit der eigenen Stromversorgung des Bunkers. Durch Dieselagregate konnte für einige Tage Strom erzeugt werden. Außerdem finden sich hier eine Belüftungsanlage und ein Brunnen zur eigenen Wasserversorgung. Auch Nahrungsmittel und Kleidung sowie Klopapier und andere Hygieneartikel wurden in diesen Räumlichkeiten eingelagert. Zur Versorung der Menschen waren Dosen angedacht. Einen Vorrat, der lange für eine solche Menge von Menschen reichen würde, konnten wir nicht entdecken. Es ist natürlich möglich, dass nicht mehr alles gelagert ist, was es damals gab. Fallout Freunde würden diese Vault zumindest nicht unbedingt mit reicher Beute verlassen.

Durch das Parkhaus erreicht man über einen weiteren Flur die Waschgelegenheiten und Toiletten. Hier wird einem deutlich bewusst, wie das Leben in einem solchen Bunker wohl ausgesehen hätte. Die Toiletten sind nur durch dicke Vorhänge voneinander abgetrennt, an den Wänden im Waschraum befinden sich je sechs Waschbecken aus Stahl, dicht aneinandergedrängt montiert.

Ein kurzer Ausflug, der einem klarmacht, wie viel Glück wir haben.

268y83jvkjpIrgendwie atmen wir alle richtig auf, als wir wieder an die Oberfläche kommen. Es war eine kleine Gruppe, nur 15 Menschen haben sich durch die Flure gedrängt. Doch bereits mit diesen Menschen wurde die Beklemmung deutlich. Fallout ist ein geiles Spiel, es ist faszinierend, durch die verfallene Welt zu streifen, Atombunker zu erkunden. Weil es weit weg ist. Doch die Wirklichkeit sieht ganz anders aus. Die Bunkerbegehung war lehrreich, interessant und ich bin froh, sie mitgemacht zu haben. Wer weiß, wann man wieder die Gelegenheit dazu hat und ob man es dann genießen kann.

(Visited 332 times, 1 visits today)
facebooktwittergoogle_plusredditpinterestlinkedinmail
rssyoutube